Herbst

02. 10.2024
Wetter: Entwickelt sich nach einem Tag Dauerregen positiv.

Erstes Ziel ist dieses Mal ganz grob die Ostsee, nicht Büsum!
Nach spontanem Hin- und auch Herüberlegen sollte das Ziel Kappeln an der Schlei sein. Aus geheimnisvollen Gründen durfte ich heute fahren. Der Navigoogle hat uns über die Landstraße entspannt hingeführt.
Die Zufahrt über die Hafenstrasse wirkt erstmal so, als wenn man dort gar nicht fahren dürfte, aber es scheint einfach nur eine gelungene verkehrsberuhigte Zone zu sein. Es gibt auch noch eine andere Zufahrt, die ab 18 Uhr genutzt werden muss, weil der Hafenmeister dann das Tor schließt. Der Stellplatz ist gut ausgeschildert, man findet alles sofort, nur nicht unbedingt einen Stellplatz. Tinje hat – natürlich – die passende Lücke gesehen, aber wir hätten dann gesagt, dass der Platz voll ist.

Da war es noch „leer“

Es hub aber mit fortschreitender Uhrzeit ein wildes Rangieren an, alles zwischen den aufgepallten Yachten, und es wurden noch einige Stellplätze einfach mal zu solchen erklärt. Ist hier aber anscheinend in Ordnung, weil es keine Markierungen gibt.

Wir konnten nach dem Abendbrot noch einen Krimi auf dem Tablet schauen – Technik sei Dank. Ist schon doll, dieses neumodische Internetz. Die Nacht war fast ruhig, es gab für Tinje nur eine Snorre-Unterbrechung. Der kleine Mann hat zunehmend Probleme mit Kiesflächen, und leider sind die als Womo-Untergrund sehr beliebt. Das stellt man besonders dann fest, wenn man das Hündelein drüber tragen muss.

Stellplatz: Der Platz bei Ancker-Yachtig am Nordhafen ist ziemlich groß und anscheinend oft ziemlich voll. Geparkt wird hier wo gerade Platz ist. Für die Ver- und Entsorgung ist alles vorhanden, Sanitäreinrichtung ist ziemlich neu aber auf Grund der Menge Camper ist die Toilette anscheinend auch schnell „benutzt“. Die Versorgungslage ist durch haufenweise Fisch- und Pizzarestaurents und dänischen Softeisbuden am Hafen, und Penny und Edeka fast um die Ecke optimal.

03. 10.2024
Wetter: Nach einem bewölkt Morgen hat uns die Sonne später noch schön gewärmt.

Der Feiertagswahnsinn ist hier deutlich zu spüren. Die Hälfte aller in Deutschland zugelassen Wohnmobile versucht hier einen Platz zu finden, das Rangieren ebbt nicht ab. Ich kann mich nicht erinnern, schon mal auf einem so unruhigen Platz gestanden zu haben. Als Krönung hat der Womo-Nachbar sein Schlauchboot mit dem Kompressor in unterschiedlichen Tonarten aufgepumpt. Erholt euch, hieß es!
Als Ausgleich gab es einen netten Plausch mit den Nachbarn vom Segelboot, neben dem wir eingeparkt hatten. Hat sich so entwickelt, weil Tinje gefragt hat, ob die an ihr Boot oder den daneben geparkten Anhänger müssen, war aber alles entspannt. Ich durfte später auch mal kurz mit der Leiter an Bord, ein bisschen Bootsluft schnuppern, aber leider nur an Land. Nach der Siesta sind wir dann zum Stadtbummel aufgebrochen, vorsichtshalber mit Snorres Wägelchen. Kappeln hat durch den Fischerei-Hafen mit den Restaurants und der Fußgängerzone, die sich durch die hübsche Altstadt zieht, eine sehr einnehmende Atmosphäre.


Uns hat noch ein kleiner Laden mit Fischbrötchen aufgelauert, und wir konnten das Angebot natürlich nicht ablehnen. Das Softeis hatten wir uns für den Rückweg aufgespart, und siehe da, die Nachbarn vom Boot hatten dieselbe Idee. So hatten wir auf dem Rückweg einen sehr sympathischen Softeisplausch, wobei wir das Eis sogar noch spendiert bekamen. Nach der Verköstigung der Fischbrötchen zu Hause und der dazugehörigen Ruhephase haben wir den Uferweg in der anderen Richtung erkundet und sind schließlich auf dem Werftgelände von Hennigsen und Steckmest mit den wunderbaren Scalar-Yachten gelandet. Hier stehen sowohl nagelneue Luxussegler als auch vergessene oder abgeliebte Wracks, ein Anblick, der immer etwas traurig stimmt.

Das Tageslicht nahm dann seine Auszeit und nach unserer Crime Time konnten wir bei der letzten Pinkelrunde einen tollen Sternenhimmel ohne den Lichtdom von Hamburg bewundern (leider kein Foto).

04. 10. 2024
Wetter: Meint es immer noch sehr gut mit uns. Nachts ist zwar es zwar schon frisch, aber die Sonne scheint den ganzen Tag und hat gut Kraft. Der Wind ist – um das mal meteorologisch korrekt auszudrücken – nett!

Nach dem Morgencino habe ich mal die Sanitäranlagen getestet. Alles gut, Duschen 1 Euro. Auf dem Rückweg sah ich aus dem Augenwinkel, dass sich in der ersten Reihe am Wasser eine Lücke auftrat, informierte flugs meine Schönsteherin und wir zogen sehr spontan aus der Lücke am Boot zum Platz mit Seeblick um. Es kam Freude auf! Dies war auch die Entscheidungshilfe bei der Frage, ob wir weiterziehen und wohin. Gar nicht!

Den morgendlichen Gassigang haben wir bis zum Nahversorgungszentrum mit Bäcker und Edeka verlängert und ein paar kleine Lücken in unseren Vorräten gefüllt. Tinje ist im Laden verschwunden und die Hunde und ich haben das Treiben auf dem Parkplatz analysiert. Mir sind viele Menschen aufgefallen, die nicht gut zu Fuß waren, und es stellte sich die Frage, ob der Einkaufswagen für die Waren oder doch mehr zum Festhalten war. Jedenfalls haben wir damit einen weiteren Teil von Kappeln kennen gelernt und festgestellt, daß man hier definitiv nicht verhungert.

Das ist doch mal ein sprechender Name für einen Verein und dessen Sinn und Zweck. Wie schön!
Die Verkehrsinseln sehen schon ein bisschen dänisch aus

Heute konnte man neben den allgegenwärtigen Rangiergeräuschen auch den typischen Sound eines Winterlagers mit Dengeln und Schleifen hören. Nachmittags sind wir von der anderen Seite in die Kappelner Innenstadt eingefallen, das Wetter hat uns einfach nach draußen gezogen. Da ist er, der goldene Oktober. Und gut, dass wir das gemacht haben, sonst hätte Tinje ihren bis jetzt schönsten Hut und den neuen Lieblingsladen in Kappeln verpasst. Mit Himalaya-Klamotten (oder so)! Es wurden gleich mal geschäftliche Kontakte geknüpft.
Die Gelatimaschine beim Eismann war leider überhitzt (achtung witzisch), deswegen gab es heute kein Softeis, sondern nur eine Limo. Auf dem Rückweg haben wir dann Snorres Segelboot gefunden. Unglaublich, der Kerl hat immer noch Geheimnisse vor uns.

Anstelle eines Cafés am Hafen haben wir die Badeplattform vor unserem Stellplatz zum Einnehmen des Nachmittags-Kuchens auserkoren. Wir hatten dort unbestreitbar den Platz an der Sonne und wunderbares Schlei-Kino mit Angelkähnen, Ruderbooten , Raddampfern und Yachten, mit und ohne Segel.

Bei der Abendrunde ist uns neben einigen Hundekollegen auch noch eine Yoga-Fee begegnet.

Vorbildlicher Baum

Tinje hat noch einen Salat kreiert mit allem, was so an Bord war. Der Tag hat damit einen würdigen Abschluss gefunden.

05. 10.2024
Wetter: Immer noch goldig.

Wir haben jetzt den ultimativen Guten-Morgen-Platz.

Das Frühstück wurde heute auf die Parkbank verlagert. Es gibt hier direkt vor unserer Nase ein paar kleine Anlagen mit Bänken und auch mit dem schon erwähnten Badesteg. Hier kann man auch kleine Boote ins Wasser bringen, Schlauchboote oder Kanus.

Wir haben später noch die Gartenstühle rausgeholt, aber das Probesitzen beim Womi hat ergeben, dass die Hecke zum Wasser doch etwas zu hoch ist und man nur die Mastspitzen sieht.
Jetzt am Wochenende ist hierauf dem Wasser richtig was los. Man merkt immer, wann die Schleibrücke geöffnet wurde. Dann schippert hier ein ganzer Pulk von Booten vorbei.
Am Nachmittag ging es noch mal in die Fussgängerzone. Snorre hat sich gut gehalten und sogar diverse Höhenmeter überwunden.

Zur Stadtsilhouette gehören aus einem bestimmten Blickwinkel auch die Kamine von Räucheröfen, das sagt schon etwas über die Geschichte und die lokale Wirtschaft.

Ein Ziel des Stadtbummels waren Tinjes letzte Verhandlungen im neuen Lieblingsladen (wirklich nur ganz kurz). Die Hunde und ich haben inzwischen einen Strandkorb zu unserer vorübergehen Aufbewahrung gefunden, sozusagen die Alternative zum Bällebad. So einen haben offenbar einige Geschäfte vor der Tür stehen, sehr freundlich!
Außerdem gab es den Softeisvergleich, diesmal bei mir mit Erdbeeresoße anstelle von Schokokrümeln. Als Gegenmaßnahme nochmal Fischbrötchen – lecker mit Sild – wieder auf dem Badesteg eingenommen.

Wir haben uns auf dem Badesteg mit Sitzunterlagen und Hundedecken gut eingerichtet, und den Wasserblick genossen, bis es dann doch zu frisch wurde.

06.10.2024
Wetter: Immer noch Sonne und ein laues Lüftchen

Abreisetag! Immer wenn man sich gerade etwas heimisch fühlt. Wir haben beide festgestellt, dass wir nicht so die dynamischen Durchreisenden sind. Wir brauchen gern mal ein paar Tage zu Ankommen und Kennenlernen, um ein Gefühl für die Umgebung und die Menschen zu bekommen. Nun sind wir aber ziemlich rechtzeitig aufgebrochen (Ticket ging bis 12:00 Uhr) und wollten mal probieren, noch schnell den südlichen Museumshafen mitzunehmen, und dort vielleicht ein Frühstücksplätzchen zu finden. War aber kein Platz zum Hinstellen für den „Kleinen“ auszumachen, und so haben wir das Frühstück weiter vertagt, bis zur nächsten schönen Stelle.
Wir haben uns noch in den Stau an der Schleibrücke gestellt – es wollten wieder ein paar Boote durch – und sind dann der Landstraße gefolgt.


Ein spontaner Abzweiger nach Neudorf im Nirgendwo hat uns dann doch noch einen schönen Platz für ein Päuschen am Bahnübergang beschert. Bis auf ein paar Lohnunternehmer, die hinter uns die Heu-Ernte durchgezogen haben, war es sehr friedlich. Dann war es ja auch nicht mehr weit bis nach Hause, weil wir uns ja auch nicht sehr weit weg gewagt hatten.

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